On the Road in Dubai – 2

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Niemand ist erkältet. Bedenken, sich durch die eingeschaltete Klimaanlage trotzdem noch etwas zuzuziehen, sind jedoch nach wie vor vorhanden. Aber so lange bleiben wir ja eh nicht im Zimmer.

Über Nacht hat uns schließlich der Konsens überfallen, das Frühstücksbuffet des Hotels in Anspruch zu nehmen. Neben der Tourismusgebühr von insgesamt 40 Dh (ca. 8€) des Vortages sind dies weitere 90 Dh (ca. 18€) p.P., die ungeplant dazu kommen. Aber als Deutscher misst man dem Frühstück ja eine besondere Bedeutung bei.


Tag 2 – Donnerstag, 14. August

Locker flockig geht es also gegen neun Uhr ins Hotelrestaurant. Nach der Platzzuweisung können wir es kaum erwarten, unser gutes Geld gegen Essbares eingetauscht zu sehen. Es gibt vieles: von chinesischen vegetarischen Nudeln, Fleischbällchen (halal) und schwer zu schneidendem Brot über Omelettes und Pfannkuchen mit Ahornsirup bis hin zu Mini-Dessert-Muffins.

Gut gestärkt verlassen wir um kurz vor zehn die Räumlichkeiten, um uns auf den bevorstehenden Trip vorzubereiten. Da die shuttle bus policy das altbewährte Prinzip des first come, first served vorsieht, begeben wir uns um Viertel vor elf in die Lobby, um den Bus um elf Uhr zu nehmen.

Bild 1. Das ist die luxuriöse Sheikh Zayed Road...

Bild 1. Das ist die luxuriöse Sheikh Zayed Road…

Bild 2. ...mit der entsprechenden Werbung.

Bild 2. …mit der entsprechenden Werbung.

Hierbei fällt mir erst auf, dass die Motoren ständig laufen, damit die Klimaanlagen in den Autos nicht ausgehen – nicht sehr umweltfreundlich, aber bei einem Benzinpreis von 1,5 Dh (ca. 30 Cent) pro Liter auch kein Wunder, dass sie es sich leisten.

Wir beziehen die erste Sitzreihe hinter dem Fahrer und halten unsere Kameras bereit. Für die Sheikh Zayed Road (s. Bilder 1 und 2) muss man schließlich gut gewappnet sein. Als dies auch der Fahrer bemerkt, bietet er uns prompt den Fotositz (d.i. der Beifahrersitz) während der Fahrt an. Auf das Rumgeturne bei dem ständigen Rumgehupe – ob es nur zur Begrüßung, aus Gewohnheit, aus Langeweile oder aus Berechtigung ist, wird nie richtig klar – verzichten wir dann aber doch.

Bild 3. Die Emirates Towers.

Bild 3. Die Emirates Towers.

Bild 4. Der Al Yaqoub Tower mit The Tower davor.

Bild 4. Der Al Yaqoub Tower mit The Tower davor.

Nach fünfzehn Minuten sind wir auf der Sheikh Zayed Road, der Straße, die von Bur Dubai bis zur 52 km entfernten Grenze an Abu Dhabi führt. Die auf jeder Seite sechsspurige Straße säumen riesige futuristische Gebäude – an dieser Stelle verweise ich Euch auf die Bilder 3 bis 7.

Bild 5. Keine Ahnung was für einer, aber dafür ein interessanter Turm.

Bild 5. Keine Ahnung was für einer, aber dafür ein interessanter Turm.

Bild 6. Ein Haufen interessanter Gebäude.

Bild 6. Ein Haufen interessanter Gebäude.

Bild 7. Das JW Marriott Marquis Dubai, das höchste Hotel der Welt.

Bild 7. Das JW Marriott Marquis Dubai, das höchste Hotel der Welt.

Bild 8. Hier sieht man ihn gut.

Bild 8. Hier sieht man ihn gut.

Bild 9. Die sog. Blaue Moschee, die größte Dubais.

Bild 9. Die sog. Blaue Moschee, die größte Dubais.




















Bild 10. Eine Baustelle mit Dubai Marina im Hintergrund.

Bild 10. Eine Baustelle mit Dubai Marina im Hintergrund.

Bild 11. Eine kleinere Baustelle.

Bild 11. Eine kleinere Baustelle.

Neben architektonisch modernen Gebäuden – deren Aushängeschild, den Burj Khalifa, wir ebenfalls schon sehen (s. Bild 8) – finden wir aber auch etwas klassischere, unter ihnen die größte Moschee Dubais (s. Bild 9) und zudem viele Baustellen (s. Bilder 10 und 11). Hat man all dies passiert (irgendwo in der Ferne ließ sich auch der Burj al Arab blicken), erreichen wir unser Ziel:


Die Palmeninsel

Hier kommen wir zu dem Teil, den eine Jugendherberge nicht hat (wir erinnern uns): einen Strandclub auf der Palmeninsel1. Wir sind jetzt nämlich einmal quer durch die Stadt gefahren – und das nimmt in dieser Stadt, wie zu erwarten, große Ausmaße an. The Palm Jumeirah liegt nämlich stattliche 33 km von unserem Hotel entfernt.2 Dafür zieren die Insel schöne, mediterran inspirierte Gebäude (s. Bilder 12 und 13), vornehmlich Hotels und Villen.

Bild 12. Wie ein Gebäude aus 1001 Nacht.

Bild 12. Wie ein Gebäude aus 1001 Nacht.

Bild 13. Modern und alt zugleich.

Bild 13. Modern und alt zugleich.

Aus dem Bus steigend bekommen wir wieder die glühende Hitze (mittlerweile 47 Grad Celsius) zu spüren – man sucht sich also lieber ein schattiges Plätzchen. Der Strandclub ist für die Gäste aller sechs Mövenpick Hotels in Dubai kostenlos zugänglich. Für den Preis bekommt man also was geboten.

Wir irren noch ein wenig an großen Häusern vorbei, machen ab und zu für Fotos Halt (s. Bild 14) und erreichen dann den Pool. Auf die Abkühlung kann ich schon nicht mehr warten.

Bild 14. Auf dem Weg zum Pool.

Bild 14. Auf dem Weg zum Pool.

Bild 15. Pool und Meer, das gefällt uns sehr.

Bild 15. Pool und Meer, das gefällt uns sehr.

Die Anlage ist geräumig, mit schönen Brücken, die über den Pool führen und Palmen, die ein wenig – neben den Sonnenschirmen – Schutz gewähren. Das Wasser ist schön kühl und was besonders begeistert ist die Tatsache, dass der Rand ins Meer überzugehen scheint (s. Bild 15). Eine Kleinigkeit, vielleicht, aber das gefällt uns.

Man entspannt, tobt (s. Bild 16) und schwimmt herum und irgendwann geht’s an den Strand, der so verlockend zwischen der Skyline Marinas (s. Bild ganz oben) und dem Pool liegt – denn ja, ein Strandbereich gehört bei der Bezeichnung Strandclub ebenfalls dazu.

Bild 16. Die Vögel geben hier den Ton an.

Bild 16. Die Vögel geben hier den Ton an.

Der Sand ist natürlich viel zu heiß um ihn barfuß zu betreten, deswegen bleibt es bis zum Ufer bei Badelatschen. Das Meer ist, gelinde gesagt, pisswarm; dennoch kann man sich hier abkühlen – was bei der Außentemperatur nicht allzu sehr verwundern dürfte.

Den Hinweis, sich vor Quallen in Acht zu nehmen, kann man nicht so wirklich ernst nehmen, was einerseits an der drolligen Zeichnung der Qualle liegt und zum anderen daran, dass nicht klar ist, um was für Quallen es sich dabei handeln soll.

Das ändert sich schlagartig, als ich schräg rausschwimmen will und in dem dunstigen Wasser auf einmal einen Meter vor mir eine große Feuerqualle entdecke. Ich kehre daher um und genieße lieber die Gesellschaft vieler kleiner Fischchen, die an meinen Füßen knabbern.

Weil es sonst nicht viel vom Poolgeschehen zu berichten gibt, springe ich nun zu unserer Rückfahrt, die um 15 Uhr beginnt. Es sei noch angemerkt, dass wir es leider nicht geschafft haben, obwohl wir am Anfang euphorisch ob der Entdeckung waren, den „Wildwasserpark“ – eigentlich eine relaxation zone mit „schnelleren“ Wasserströmen (für Kinder halt) – zu erkunden.

Bild 17. Auch auf der Rückfahrt eine große Straße.

Bild 17. Auch auf der Rückfahrt eine große Straße.

Bild 18. Wo die Straße so hinführt.

Bild 18. Wo die Straße so hinführt.

Wie auch immer, es geht die gleiche Strecke (s. Bilder 17 und 18) zurück und wir sind nach einem kurzen Einkauf im Supermarkt hinter dem Hotel gegen 16 Uhr wieder auf unserem Zimmer. Jetzt können die Abendvorbereitungen beginnen.

Doch halt. Ist es nicht umständlich, mit dem Bus 30-40 Minuten zu einem Hotelpool zu fahren? Gibt es nicht im Hotel einen? Ja, den gibt es und wir entschliessen uns, ebenjenen kurz zu besichtigen.

Der Hotelpoolbesuch war ursprünglich für den Vorabend vorgesehen, da es im Vorfeld hieß, er sei bis 23 Uhr geöffnet. Bei Ankunft stellte sich jedoch heraus, dass dem nicht so ist. Jetzt, um 16 Uhr, sind wir aber auf der sicheren Seite. Es geht auf’s Dach, wir erfühlen die Temperatur (ein ganz klein wenig kälter als das Meer), sogen den Chlorgeruch ein und blicken über die knapp kopfhohen – meine Kopfhöhe – Mauern auf die wuseligen Straßen Deiras und erblicken in der Ferne den Creek und, wie sollte es anders sein, den Burj Khalifa.

Es war von meiner Seite aus noch geplant, vor den Abendaktivitäten einen Abstecher zu einem der Souks in der Nähe machen; wohl aus Wetter- oder Anstrengungsgründen lassen wir es aber sein…

Nachdem wir nun Hemden angezogen und unser Geld gezählt haben, machen wir uns auf den Weg ins Zentrum des modernen Dubais. Es ist fast Essenszeit, von daher bietet es sich an, Dubai-typisch, wieder in eine Mall zu gehen. Unsere Wahl fällt auf die


Dubai Mall

Beim Fahren mit der Metro fällt uns nicht nur erneut auf, wie schnell die Rolltreppen in den Stationen sind, sondern auch wie schnell die Türen der Bahnen zugehen. Es ist ja nicht so, dass es in diesem Jahr bereits vorgekommen ist, dass eine der mich begleitenden Personen irgendwo im Ausland zurückgelassen worden ist und ich dabei, wie jetzt auch, Zurücklassender war.3

Da ich nun beide zurück lasse und man aber nun seine Handygebühren nicht strapazieren will, steige ich an der nächsten Station aus und warte auf den nächsten Zug, in dem beide dann auch stehen. Manchmal versteht man sich eben auch ohne Worte.

Wir kommen also gemeinsam an der Burj Khalifa/Dubai Mall Station an. Wir folgen den Leuten und den Schildern, sodenn sie vorhanden sind, und bleiben an der nächstbesten Glasfront stehen und erblicken eine riesige Baustelle seitlich unterhalb der Station. Es mutet fast wie eine archäologische Ausgrabung an, mit diesen die winzig wirkenden Arbeiter besetzenden Lichterfluten.

Weiterhin sehen wir, dass wir am Anfang eines ellenlangen Ganges (etwas mehr als ein Kilometer) stehen, der von der Station direkt bis zur Mall führt. Immerhin ist man damit die ganze Zeit im klimatisierten Bereich.

Bild 19. Welcome to The Dubai Mall.

Bild 19. Welcome to The Dubai Mall.

Der komplette Gang ist mit Böden versehen, „von denen man essen kann“; man bemüht sich hier stark, dem gemeinen Touristen ein perfektes Bild der Stadt zu vermitteln. Eine weitere wichtige Rolle spielen dabei natürlich die Konsumtempel in Form von Malls. Deren Haupttempel haben wir nun erreicht – die Dubai Mall (s. Bild 19).

Bild 20. Ein Teil einer der Hallen.

Bild 20. Ein Teil einer der Hallen.

Auf drei Etagen (plus Kellerkomplex) umringen uns nun weitläufige Hallen (s. Bild 20) in alle Richtungen. Wir erkunden die Mall zunächst ein wenig. An teuren Boutiquen und Cafes vorbei finden wir eine große Virgin Records Filiale und – eine Überraschung für mich – einen großen Kinokuniya4, der platzplanerisch und von den Möbeln her aufgebaut ist wie in Japan.

Bild 21. Es gibt ein Dinosaurierskelett,...

Bild 21. Es gibt ein Dinosaurierskelett,…

Doch hier meldet sich wieder das treibende Moment des Urlaubs zurück: der Hunger. Wir suchen also den Food Court auf, drängeln uns durch Menschenmassen und finden den Bereich der Mall, der ca. 40 Restaurants und Imbissbuden beherbergt. Leider müssen wir auf das Essen länger warten, da das Piepsystem – in etwa wie bei Vapiano – nicht ganz funktioniert.

Bild 22. ...ein Aquarium...

Bild 22. …ein Aquarium…

Nach dem Essen erkunden wir weiter die großen Hallen, nun allerdings schon das Ziel vor Augen, einen Ausgang zu finden, und gehen ein paar Mal hin und her. Also, wir gehen wirklich durch eine Halle, um festzustellen, dass wir in die andere Richtung müssen und gehen wieder durch die gleiche Halle zurück. Das kommt bei uns manchmal vor.

Bild 23. ...und einen Sternenhimmel. Jetzt hört mir mal hier auf!

Bild 23. …und einen Sternenhimmel. Jetzt hört mir mal hier auf!

Dennoch entdecken wir zum Beispiel das Skelett eines Dinosauriers (s. Bild 21) und ein großes Aquarium (s. Bild 22). Die Decke dieser Halle ist, aus welchem Grund auch immer, wie ein Sternenhimmel aufgemacht (s. Bild 23). Immer mehr bekomme ich das Gefühl, dass man hier Sachen macht und baut, damit sie einfach mal gemacht und gebaut worden sind.

Wie dem auch sein mag, wir finden einen Ausgang (sogar den richtigen; im Nachhinein ist es ein Wunder, dass wir uns ohne eine Karte heranzuziehen zurechtgefunden haben) und befinden uns jetzt direkt am künstlichen See in der Mitte Donwtown Dubais, am Fuße des


Burj Khalifa

Mit seinen beachtlichen 829 Metern Höhe muss man sich schon enorm verbiegen, um von hier unten die Spitze des Turms zu sehen. Aus Tokyo kenne ich bereits den Eindruck, von jedem Punkt der Stadt aus so einen Riesenoschi zu sehen – dort ist es der neue Fernsehturm, der Tokyo Skytree, der mit 634 Metern das zweithöchste Bauwerk der Welt ist –, aber ich muss sagen: wirkte dieses Gebäude schon von der Sheikh Zayed Road aus riesig (s. Bild 8), zeigt er in unmittelbarer Nähe schon eine fast surreale Präsenz.

Bild 24. Die majestätischen Wasserspiele.

Bild 24. Die majestätischen Wasserspiele.

Bild 25. Auch aus anderer Perspektive schön.

Bild 25. Auch aus anderer Perspektive schön.

Vielmehr als das höchste Gebäude der Welt jedoch genießen wir zunächst um 22 Uhr die größte Wassershow der Welt, die Dubai Fountains. Ungefähr vier Minuten lang schießen, zur begleitenden Musik synchron – sonst wäre es witzlos –, alle 30 Minuten zwischen 18 und 23 Uhr Wasserfontänen bis zu 150 Meter in die Luft (s. Bilder 24 und 25, ein Video davon in 720p habe ich hierhin ausgelagert).

Wir bekommen das Ganze jetzt zu kräftiger, orientalischer Orchestermusik (mit einem Schuss Klaviersonate Nr. 11 von Mozart) präsentiert. Wie wir später feststellen, wechselt die Musik immer; später ist es das romantischere „Con te partirò“ bzw. „Time to Say Goodbye“, zu dem sich in Regenbogenfarben getauchte Wassermengen an der Fassade des Burj Khalifa spiegeln.

Bild 26. Die Brücke vor dem Souk Al Bahar ist ein beliebter Ort, um die Dubai Fountains zu beobachten.

Bild 26. Die Brücke vor dem Souk Al Bahar ist ein beliebter Ort, um die Dubai Fountains zu beobachten.

Bild 27. Ein paar Leute sind schon anwesend.

Bild 27. Ein paar Leute sind schon anwesend.

Nach dem Schauspiel entschlackt sich der Vorplatz um die Brücke, die Dubai Mall und den Souk Al Bahar (s. Bild 26) verbindet, ein wenig und die Leute (s. Bild 27) widmen sich anderen Dingen. Für mich bedeutet das, den Versuch zu unternehmen, den Burj Khalifa so vollständig es geht auf ein Foto zu bekommen. Wir begeben uns ans Ende des Sees und ich befestige mein praktisches Gorillapod an einer Laterne.

Bild 28. Das bin ich beim Fotografieren. © Max B.

Bild 28. Das bin ich beim Fotografieren. © Max B.

Wie ich beim Fotografieren aussehe, seht Ihr auf Bild 28 und das Ergebnis dessen auf Bild 29. Das Geblinke des Turms ist auf dem Foto natürlich nicht zu erkennen, aber in der Nahansicht (s. Bild 30) wird hoffentlich deutlich, dass es hell glitzert. Nebenbei bemerkt standen wir dabei am Fuße des The Address Downtown Dubai (s. Bild 31), dessen auf knapp 300 Metern Höhe gelegene Bar wir nun aufsuchen werden.

Bild 29. Der Große ragt gravitätisch in die Höhe.

Bild 29. Der Große ragt gravitätisch in die Höhe.

Bild 30. Der Burj Khalifa im Detail.

Bild 30. Der Burj Khalifa im Detail.

Nach einem Zwischenstopp im Fortnum & Mason, in dem ich ein Geschenk für meine Tante kaufe, versuchen wir, den Eingang zu finden. Wir gehen zur Hälfte um das Gebäude herum, sehen wir doch, dass wir den Eingang oben passiert haben; stutzig, wo denn der eigentliche Zugang gewesen sein mag, betreten wir das Gelände seitlich dem Schild für ein Cafe folgend.

Bild 31. Ganz oben liegt die Bar, NEOS.

Bild 31. Ganz oben liegt die Bar, NEOS.

Ein Blätterdickicht umgibt uns und wir finden eine Treppe, die vielversprechend nach oben führt. Dort angelangt schlängeln wir uns auf einem sehr suspekt wirkendem Weg am Gebäude entlang zurück, bis wir den Luxusfuhrpark vor dem Eingang erreichen.

Es wird vorgeschlagen, an der Rezeption zu fragen, wo der Aufzug zur Bar ist. Ich erwidere, der Trick sei es, professionell zu wirken und so zu tun, als wisse man, wo es langgeht. Es wird Folge geleistet und durch die monströse (und geschäftige) Lobby hindurch finden wir direkt den Aufzug, der die Bar indiziert.

Merkwürdigerweise geht es zunächst in den Keller. Im Parkgeschoss angekommen, folgen wir – mit dem Getöse lauter SUVs und Limousinen im Hintergrund – ein paar Leuten, die ebenfalls in die Bar zu wollen scheinen.

Wir erreichen schließlich den Bar-Aufzug und kaum wollen wir ihn betreten, wird einer von uns zurückgehalten und gefragt, ob er über 20 Jahre alt sei. Die bejahte Antwort muss nun mit einem Ausweis untermauert werden.

Nachdem alle Zweifel aus der Welt geräumt sind, begeben wir uns in den schnellen Aufzug mit ein paar anderen Gästen, darunter einem sehr gesprächigen Briten. Wir kommen im 61. Stockwerk an und müssen nun den Aufzug wechseln.

Im dunklen Raum lauern überstylishe und -große silberne Sessel; Elektromusik dröhnt dumpf aus den Lautsprechern. Wir fahren weiter und kommen im 63. Stock in der Bar NEOS – laut eigenen Angaben soll es sich dabei um eine Amalgamation aus den griechischen Wörtern νέος („neu“) und εος („Ära“) handeln – an.

Es sind hier viele (nicht unbedingt junge) Leute, der Großteil davon gut gekleidet. Erneut finden wir die silbernen Sessel, diesmal sitzt sogar irgendwer drauf. Aber unsere Blicke werden sofort an die deckenhohen Fenster gelenkt.

Eine atemberaubende Aussicht auf den Burj Khalifa und das in Licht getränkte Dubai breitet sich vor unseren Augen aus. Der Anblick nimmt auch die letzten Zweifel, dass man von so einer exponierten Lage aus nichts sähe, „da die Stadt ja dunkel ist“. Wie Adern fließen die Straßen durch die Stadt, in deren neuem Herzen wir uns grade befinden.

Auf Augenhöhe haben wir einen großen Block an Stockwerken vor uns; richtet man den Blick nach oben, ist es faszinierend, wie der gegenüberliegende Turm, ohne störende Gebäude und Lichtquellen an den Seiten, einsam in den dunklen Nachthimmel ragt; ein Pfeil, der in Sphären reicht, die Bernhard von Bülow glücklich gemacht hätten.

Wir begeben uns an die Bar und genehmigen uns einen Cocktail – schließlich sind Hotels die einzigen Orte in einem muslimischen Land, in denen Alkohol ausgeschenkt werden darf. Gemäßigt genießen wir unsere Getränke und die Aussicht.

Knapp eine Dreiviertelstunde später machen wir uns aber wieder auf den Weg runter und direkt zur Metrostation auf. Man muss den Tag schließlich sacken lassen und den letzten Zug erwischen.

An der Abu Baker Al Siddique Station beginnt eine Blutspur am Ende der Rolltreppe und führt bis nach draußen. Wahrscheinlich stammt sie von einem Hund, der in der Rolltreppe hängen geblieben ist. Schlammige Fahrräder zieren auf unserem Weg in Richtung Hotel den Bahnhofsausgang. An unserer Hotelkreuzung wird uns, als wahrhaftigem Abschluss des Tages, noch im Vorübergehen ein iPhone 5s angeboten.

Mit all diesen Eindrücken legen wir uns schlafen und sehen der lang werdenden Weiterreise (an)gespannt entgegen.


Mumon

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Fußnoten

1 Es sind drei vorgesehen, wobei nur die eine soweit fertiggestellt ist, dass sie von Besuchern betreten werden darf. Diese Palmeninsel ist daher auch bisher eines der Aushängeschilder dieser geldvernichtungsliebenden Stadt.

2 Die Stadt erstreckt sich aber noch weiter; bis Jebel Ali sind es knapp 45 km.

3 Es ist halt vorgekommen, und zwar am Flughafen in Montpellier. Der Flug wurde hier erwähnt.

4 Eine japanische Buchhandelskette.

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