The Old Man and the East China Sea

Nach dem Erwerb dreier Inseln der umstrittenen Inselkette Senkaku 尖閣 / Diaoyu 钓鱼 von Seiten der japanischen Regierung im September 2012 geht der Disput um die Inseln weiter. Es wurden nun auf der Seite der Abteilung für japanische maritime Politik vorgestern 158 unbewohnte Inseln mit offiziellen Namen versehen, darunter fünf Inseln der besagten Inselkette im Ostchinesischen Meer. [1]

Diese fünf Inseln heißen jetzt auf japanisch Nantō-kojima 南東小島, Nantō-kojima 南東小島, Higashi-kojima, 東小島, Nansei-kojima 南西小島 und Seihokusei-kojima 西北西小島 – sind also recht unkreativ als kleine Inseln mit den entsprechenden Himmelsrichtungen benannt worden. Und nachdem bereits China im März 2012 alle Inseln benannt hatte [2], haben wir nun endlich die freie Auswahl der Bezeichnung. Darauf haben wir doch gewartet, oder nicht?

Diese Inseln tragen jetzt offizielle japanische Namen. [2]

Diese Inseln tragen jetzt offizielle japanische Namen. [2]

Die japanische Regierung will damit das öffentliche Bewusstsein für die Inselkette stärken. Ein politischer Schritt, der als Gegenreaktion auf gesunkene Umfragewerte für Abe Shinzō 安倍晋三 zu interpretieren ist. In diesem Zusammenhang plant Abe übrigens auch, sein Kabinett im September neu zusammenzustellen. [3]

Wie zu erwarten stieß dieser Schritt allerdings auf Proteste aus China. Die Regierung verurteilte die Benennung als „illegal und ungültig“ [4], obwohl sie natürlich am Zustand de iure nichts ändert.

Und weil das vielleicht nur wie Wortklauberei wirken mag und Worte schließlich keine Taten ersetzen können, hat die japanische Regierung weiterhin sechs gebrauchte Patrouillenschiffe Vietnam geschenkt [5], einem Land, das ebenfalls im Disput mit China steht. [6] Dieser Schritt steht dabei in der Tradition, die letztes Jahr mit der Schenkung von zehn Patrouillenschiffen an die Philippinen angefangen hat. [7]

Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, erstreckt sich somit Abe Shinzōs Einflussraum immer weiter im Ostchinesischen Meer. Es scheint, dass er – ganz wie Santiago – nun zum Fischen immer weiter hinausfährt.1

Tja, da macht er viel, dieser Abe; vor allem macht er sich alte Feinde wie auch neue Freunde, und das inmitten sinkender Popularitätswerte. [9] Ein Angelversuch ohne Haken? Wer weiß, aber fest steht, dass er wahrscheinlich nicht lange ohne Anker diesen Posten behalten wird. Auf der anderen Seite muss man sagen, dass er auch nicht leicht klein zu kriegen ist. Vielleicht wird er dann doch irgendwann wieder da sein, so wie er nach seiner Amtszeit 2006 bis 2007 im Jahre 2012 wiederkam.

Hemingway schrieb: „A man can be destroyed, but not defeated.“ Endgültig wird das auch für Abe Shinzō gelten, aber eine gewisse Überlebenskampfeslust und -fähigkeit ist ihm nicht abzusprechen; wie er diesen Kampf dabei austragen und verlieren wird, werden wir dann wohl irgendwann sehen. Bis dahin können wir ihm ja Petri Heil wünschen…


Mumon

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Fußnoten

1 Der einzige Unterschied ist nur, dass Abe nicht ganz so naturverbunden ist. [8]


Quellen

[1] http://www.kantei.go.jp/jp/singi/kaiyou/ritouhoushin/meisyou140801.html

[2] http://www.asahi.com/articles/ASG8154FYG81ULFA01Q.html

[3] http://www.channelnewsasia.com/news/asiapacific/japan-pm-abe-to-reshuffle/1292458.html

[4] http://www.asianewsnet.net/news-62983.html

[5] http://www.bbc.com/news/world-asia-28599397

[6] http://www.economist.com/news/asia/21604203-comradely-relations-go-bad-worse-rigged

[7] http://www.atimes.com/atimes/Southeast_Asia/SEA-01-140313.html

[8] http://www.nytimes.com/2014/02/26/world/asia/japan-pushes-to-revive-moribund-nuclear-energy-sector.html

[9] http://asia.nikkei.com/Politics-Economy/Policy-Politics/Public-support-for-Abe-cabinet-slips-under-50

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