Peace Anthem For Palestine

Es vergeht kein Tag, an dem man keine neuen Nachrichten aus dem Gazastreifen hört. Den meisten vernünftigen Menschen dürfte klar sein, dass es sich dabei allerdings um ein sehr ungleiches Kampfgeschehen handelt. Eine gute Methode, um sich ein Bild von dieser Ungleichheit zu machen ist, sich die stets aktualisierten Listen der Todesopfer auf beiden Seiten anzuschauen.1 Es ist auf Dauer einfach nur deprimierend immer weiter runterzuscrollen, bis schließlich die im Vergleich zur palästinensischen Seite winzige Liste der israelischen Todesopfer auftaucht. Aber ich glaube, eine bessere Visualisierung des Schreckens gibt es nicht.

Die UN hat irgendwie einen späten Zug erwischt, erst 15 Tage nach Beginn der sog. Operation Protective Edge eine Untersuchung einzuleiten, weil auch sie begriffen haben, dass Israel „mit starker Wahrscheinlichkeit internationales Recht gebrochen hat“. Immerhin haben sie überhaupt einen Zug erwischt. 

Von diplomatischer Seite jedoch sind beide Parteien nicht auf einer Wellenlänge. Vielleicht ist aber auch eine Saat zu wählen, die eher von unten kommt. So hat auch der britisch-australische Klavierkabarettist Tim Minchin vor ein paar Jahren den Versuch unternommen, beiden Seiten einen gemeinsamen Boden zu verschaffen. Sein Peace Anthem For Palestine seht Ihr hier:


Natürlich ist es stark übertrieben und bewusst humoristisch, wenn nicht gar bescheuert – dennoch ist die Idee, die Grundrichtung eine gute. Dass das Video 2009 hochgeladen wurde, ist bezeichnend, denn der Konflikt hat eine schwindelerregend zyklische Form. Auf den Punkt gebracht – das zwar auch humoristisch, aber sonst wird das auf Dauer nur schwer erträglich – wird das von John Oliver2: „[T]he middle East is truly the Anderson Cooper’s face of geopolitical disputes in that in defiance of all appeals to reason and human decency it never fucking changes.“

Ebenfalls einen Blick wert ist auch Jon Stewarts Beitrag dazu:


Es kann nicht ewig mit diesem Zyklus weitergehen, etwas muss den Menschen eine gemeinsame Basis geben. Natürlich will nicht jeder eine gemeinsame Basis, das ist klar. Aber anstatt Popcorn essend von einem Hügel aus die Bombardierung des Gazastreifens zu genießen, wäre es doch besser, wenn sie sich gemeinsam auf den Hügel setzten und Peace Anthem For Palestine sängen.

Schließlich darf die Hoffnung an die Vernunft jedoch nicht aufgegeben werden. Vor allem die Aktion Jews & Arabs Refuse To Be Enemies gilt dabei als Epitom der menschlichen Dimension dieses Konfliktes. Dem Bild vom Kuss einer arabischen Frau und ihrem jüdischen Freund wurde dabei besondere Aufmerksamkeit zuteil – sie selbst hat sich z.B. hier dazu geäußert. Und so sollte man auch nicht das Folgende vergessen, was ich hier an den Schluss stellen möchte: „This isn’t just about politics. This is about people.“


Mumon

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Fußnoten

1 Gut, ganz aktuell sind sie auch nicht, aber das ändert nichts an dem Ausmaß und Verhältnis.

2 Eigentlich kann ich solche Intransparenz, dass man youtube-Links entfernt, nur um Besucher auf der Seite zu halten, nicht unterstützen. Quellen sollten nachvollziehbar sein. Aber da ich nur hier das Video finden konnte, muss das nun mal sein.

  1 Kommentar für “Peace Anthem For Palestine

  1. Rudi
    28.07.2014 um 14:10

    Ich führ mir bei solchen Konflikten immer gerne die Ursachen vor Augen.
    Gut eignen tut sich dafür eine meiner Lieblingsserien
    http://www.youtube.com/watch?v=uo24GAOHKng

    Mit offenen Karten heißt die und lief ne Weile auf arte. Kriegt man auch im französischen Original denke ich.

    • Leo Born
      28.07.2014 um 22:43

      Danke für die gute Ergänzung!

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