Ein kleiner Abschied

Von glühenden Holzresten geht eine ungeheure Faszination aus. Es ist ein Uhr nachts, der Bilderrahmen ist verbrannt, mein Mülleimer nicht mehr zu gebrauchen. Wenn, in nur durch schwache Laternen getränkter Nacht, viele dieser Glühpartikel auf dem Boden liegend ihren Tanz – fast wirkt er koordiniert – wie einen Schwanengesang ausführen, so scheint die Wärme, die von ihnen ausgeht und am verklingen ist, in den Körper und den Geist hinüberzugehen.

Es macht Spaß, über die Partikel zu gehen und ihnen ihre letzte Kraft zu entlocken; „Bewundere mich!“, scheinen sie abwechselnd zu sagen. Diese Wellen der Wärme sind wahrlich ein Kunstwerk der Natur. Es erinnert mich an den Anblick der Provence aus dem Flugzeug heraus.

Es war ebenfalls schon dunkel – es mag 22 Uhr gewesen sein – und unter mir lagen Häuser, Dörfer und Städte wie Inseln des Lichtes in einem Meer der Dunkelheit. Die kleineren dieser Ortschaften gaben nicht mehr als kleine Fäden oder DNA-Stränge her; die größeren muteten dagegen wie Tiere an. Was haben diese Muster zu bedeuten? Sind sie willkürlich? Für wen sind sie?

Dies war ein irgendwie idyllischer Anblick, der mich scheinbar unendlich lange anzog, denn ich vergaß alles um mich herum – das Buch, die Musik, die Passagiere. Meinen Kopf hatte ich bereits an die Scheibe gelehnt, da wurde das Kabinenlicht ausgeschaltet. Wie passend.

Ab und zu erschienen Autolichter. Fast mickrig in ihrem Ausmaß stellten auch sie Inseln dar, allerdings persönlichere. Ihr plötzliches Auftreten und schnelles Verschwinden machte sie zu Elementen der verlorenen, nein, der vorübergehenden Hoffnung.

Das letzte, was ich sah, bevor wir die Alpen überquerten, waren drei schwache orange Lichter. Sie lagen übereinander und in kurzen Abständen blinkten sie. Im Gegensatz zur Bewegung des Flugzeuges schien ihnen dadurch eine Reserviertheit innezuwohnen, die fast bescheiden wirkte.

Als auch ihr Licht plötzlich erlosch, fühlte ich mich ein wenig verlassen. Die Augen schließend genoss ich jedoch diesen kleinen Abschied.

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