O Aniki, Where Art Thou?

Etwas Paradoxes (aber zu Erwartendes) ist passiert. Ich war jetzt zwei Monate in Japan, unter anderem mit der impliziten Hoffnung, „vor Ort“ schneller an relevante Infos zu kommen und über sie zu schreiben, und doch habe ich für diesen Blog keinen Artikel verfasst.

Jetzt bin ich mittlerweile wieder in Deutschland und kann höchstens ein wenig retrospektiv darüber berichten, was ich gemacht habe. So soll es denn auch sein.


So habe ich die meiste Zeit damit verbracht, drei Hausarbeiten zu schreiben und bei meinen zwei HiWi-Stellen weiterzuarbeiten. Klingt nicht nach Urlaub? Hat auch keiner behauptet. Und so war ich auch viel Zeit zu Hause und saß vor dem Computer. Manchmal habe ich mich aber auch in ein Cafe gesetzt – vor meinen Computer.

Bild 1. Das Innere des Gonpachi in Roppongi.

Bild 1. Das Innere des Gonpachi in Roppongi.

Es gab aber natürlich auch Gelegenheiten, das Haus zu verlassen und nicht zu arbeiten. So habe ich manch einen lustigen Abend in einem 居酒屋 izakaya verbracht, mit ebenso lustigen und interessanten Leuten wie dem dieses Jahr in den Ruhestand gegangenen ehemaligen Polizeichef von Hokkaido und ein paar Professoren der Universität Tokyo, von denen einer ab diesem Herbst auch noch nach Bonn gehen wird (der Besitzer des Ladens ist auch eine herzensgute und interessante Person – einer seiner Söhne ist wohl assistierender Regisseur beim neuen japanischen Godzillafilm gewesen!); und im 権八 Gonpachi, einem Laden, der dadurch berühmt ist, dass er als Inspiration für das House of Blue Leaves in Quentin Tarantinos Kill Bill Vol. 1 (2004) gedient hat. Die Atmosphäre war auf jeden Fall interessant (s. Bild 1, links).

Bild 2. Meine Soba!

Bild 2. Meine Soba!

Des Weiteren habe ich an einem sogenannten そば打ち体験 Sobauchitaiken teilgenommen, wo man innerhalb von einer Stunde Sobanudeln selber herstellt (ich würde es eher nicht als Kochkurs einstufen, denn das eigentliche Kochen bestehet nur darin, die Nudeln 1 Minute in kochendes Wasser zu geben und dann herauszunehmen). Dabei habe ich festgestellt, wie anstrengend und technisch anspruchsvoll es ist, auch nur für vier Personen Nudeln zuzubereiten – die Profis bereiten in einem Durchgang Nudeln für bis zu vierzig Personen vor! Aber dennoch haben die aus eigener Hand zubereiteten Nudeln (s. Bild 2, rechts) sehr lecker geschmeckt.

Aber auch das Reisen habe ich dann doch nicht lassen können. Zwei der Highlights meines Aufenthalts sind wohl die etwas längeren Spaziergänge entlang der historischen 東海道 Tōkaidō (eine der drei Wege, die 京都 Kyōto und 江戸 Edo verbanden und immer noch verbinden) und mein Trip nach 北海道 Hokkaidō. Habe ich bei ersterem an zwei Wochenenden (an vier Tagen) 80 km zu Fuß zurückgelegt, bin ich bei der zweiten Reise erneut mit dem All-You-Can-Bahnfahrticket der JR durch’s Land gezogen.


北海道 Hokkaidō

Bei dieser 9-tägigen Reise – die meinen Traum erfüllt hat, den ich seit anderthalb Jahren hatte (s. eben referenzierter Artikel) – bin ich ins von Tokyo knapp 1200 km entfernte 札幌 Sapporo gefahren. Bei der Reise, die mich durch alle Präfekturen 東北 Tōhokus und Hokkaidō geführt hat, bin ich insgesamt ca. 2300 km durch’s Land gefahren, im Schnitt waren es pro Tag ca. 6 Stunden, die ich so im Zug verbracht habe. Dabei waren alle Orte nördlich von 山形 Yamagata bzw. 福島 Fukushima ein Novum für mich.

Angefangen mit meinem ersten Zwischenstop in 仙台 Sendai bin ich dann über 盛岡 Morioka (eine Nacht), 青森 Aomori, 函館 Hakodate (zwei Nächte) und 小樽 Otaru nach Sapporo (eine Nacht) gefahren. Von dort ging es dann wieder über Otaru und Hakodate (eine Nacht) nach Aomori, von wo ich aus nach 弘前 Hirosaki und 秋田 Akita gefahren bin. Nach einer Nacht dort zog es mich abschliessend zu einem zwei-nächtigen Aufenthalt in zwei Onsengebiete in Yamagata, wo ich dann von 米沢 Yonezawa aus meinen Rückweg angetreten habe.

Da es zu viel wäre, über alles zu schreiben und auch für jeden dieser Orte Fotos bereitzustellen, werde ich in den nächsten Tagen nur drei rein photographische Beiträge hochladen, die photographische Höhepunkte meines Aufenthaltes in Hokkaido enthalten. Hier gibt es nur einen kleinen Happen:

Teaser
 

Mumon

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