Die Sonntagsfrage

Gestern wurde sie gestellt: die Sonntagsfrage. Also, ich meine die richtige. Nicht die hypothetische, was-wenn-jetzt-wäre und so. Ich hatte leider nicht die Möglichkeit zu wählen, da mein Wohnsitz nur eher in Richtung semi-offiziell geht – im Familienbuch habe ich eine Adresse, die legitim ist und für alles, was ich hier mache, ausreicht. Außer für’s Wählen offensichtlich, denn dafür hätte ich meinen amtlichen Wohnsitz ummelden müssen.

Habe ich aber nicht und von daher blieb mir nichts anderes übrig, als zu beobachten. Das fiel auch nicht so leicht wie erwartet, da ich die vergangene Woche über an Unmengen an Unikram saß. Aber immerhin zeigten sich meine Verwandten wahlfreudig – das gab mir ein wenig Hoffnung für’s Land.

Jedoch: wie an anderer Stelle neulich angedeutet (s. hier) ist die Situation etwas schwieriger. Eine traurig-wahre Zusammenfassung der Bedingungen bietet Al Jazeera: [T]he governing coalition was projected to win thanks to Japan’s tendency towards a one-party political system, voter apathy and a lack of viable alternatives.“ [1]

Besonders der letzte Punkt ist ausschlaggebend. Denn auch wenn es durchaus gute und fähige Politiker in der LDP gibt und gab, so sehr ist die aktuelle Führungselite – neben durchaus guten Ansätzen in der Finanz- und Kulturpolitik – in ihrem Handeln zu nationalistisch-revisionistisch festgefahren. Und ich muss leider zustimmen – ein bisschen von der Wahlwerbung habe ich dann schließlich doch mitbekommen –, dass die anderen Parteien auch nicht unbedingt glänzen. So mangelt es im Moment tatsächlich an wirklich realistischen und guten Alternativen im Land.

Das Ergebnis der gestrigen Parlamentswahlen war denn leider nicht überraschend: Abes Liberaldemokratische Partei hat zusammen mit ihrem bisherigen Koalitionspartner, der 公明党 Kōmeitō („Gerechtigkeitspartei“), die erforderliche Zweidrittelmehrheit erhalten.

Dabei haben es auch die vor zwei Monaten über Spendenskandale zurückgetreten (ehem.) Ministerinnen zurück ins Unterhaus geschafft. [2] Einerseits ist es gut – und vor allem zeitgemäß –, dass Frauen eine größere Rolle in der Politik zukommt, andererseits ist es jedoch im Falle von Obuchi fragwürdig, da die juristischen Bedenken berechtigt waren. Bei Matsushima war das anders. Sie hat Fächer verteilt. Fächer. Das fand ich dann von der anklagenden Seite der DPJ etwas lächerlich. Aber naja.

Wie auch immer. Das Land kann sich nun, nach diesem unnötig das politische Handeln in den vergangenen drei Wochen lähmenden Politicus Interruptus, endlich wieder daran machen, sich zu bewegen. Abes politische Schritte sind zwar halbwegs vorhersehbar, aber wir werden weiter gespannt auf die Remilitarisierung Japans, eine hoffentlich bessere Wirtschaft und falsche Entscheidungen gegenüber den bestimmenden sozialen Problemen des Landes blicken.


Mumon

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Quellen

[1] http://www.aljazeera.com/news/asia-pacific/2014/12/polls-big-election-victory-japan-abe-20141214111611433762.html

[2] http://newsonjapan.com/html/newsdesk/article/110668.php

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