On the Road in Kyōto and Nara

Titel_221020102029

Die Nacht war, zumindest für mich, angenehmer als erwartet. Nach ein paar Minuten hatte ich es raus, wie ich das Kissen und meinen Kopf darauf positionieren musste, um nicht die ganze Nacht in Fötushaltung schlafen zu müssen. Denn ja, ich mag es, meine Beine ab und zu auch mal auszustrecken.

Ich begebe mich in den Flur, um bei den Anderen zu klopfen und stelle erstaunt fest, dass beide schon wach sind. Wir verabreden uns in zehn Minuten erneut im Flur, denn um unser straffes Tagesprogramm durchzuziehen müssen wir gegen 10 Uhr den Bus nehmen.


Tag 2 – Freitag, 22. August

Zur Abwechslung schaffen wir es sogar, halbwegs rechtzeitig an der (korrekten) Bushaltestelle zu sein. Wir begeben uns nun auf einer ereignislosen Busfahrt 45 Minuten lang in den Nordwesten der Stadt. Unser Ziel stellt, wie sollte es anders sein, ein Weltkulturerbe dar: es ist der


金閣寺 Kinkaku-ji

Bild 1. Der goldene Pavillon.

Bild 1. Der goldene Pavillon.

Der 金閣寺 Kinkaku-ji (s. Bild 1), häufig auch „Goldener Pavillon“ genannt, ist wohl eines der Wahrzeichen Kyōtos, und wenn man nicht weiß, dass er in Kyōto steht, so denn wenigstens eines der Wahrzeichen Japans. Dabei ist der „goldene Pavillon“ nur ein Teil eines Tempelkomplexes, der offiziell 鹿苑寺 Rokuon-ji heißt. Aufgrund der Popularität des Beinamens Kinkaku-ji wurde aber in den vergangenen Jahren auch von den Tempelbetreibern dieser Name für den gesamten Tempelkomplex anerkannt.1

Die Tempelanlage wurde in der 室町時代 Muromachi-Periode (1333-1537) unter 足利義満 Ashikaga Yoshimitsu, dem Shōgun der in der Muromachi-Periode regierenden Ashikaga-Familie, 1397 erbaut. Sie gehörte dem 相国寺 Shōkoku-ji an, dem Haupttempel der Rinzai-Schule des Buddhismus. Letzterer wurde von 夢窓疎石 Musō Soseki verwaltet, der unter anderem dafür bekannt ist, die japanische Teezeremonie begründet zu haben (s. unten). Der Shōkoku-ji brannte auch zu großen Teilen während des 応仁の乱 Ōnin-Krieges (s. unten) ab; der Kinkaku-ji blieb jedoch vom Kriegsgeschehen unversehrt.

Der Kinkaku-ji ist in seiner eigentlichen Funktion nur eine Reliquienhalle (舎利殿 shariden). Er ist aber architektonisch nicht nur wegen der Tatsache interessant, dass die Außenfassade der oberen beiden Stockwerke mit Blattgold überzogen ist; er ist auch interessant, weil jedes der drei Stockwerke nach einem anderen architektonischen Stil erbaut ist. Zudem ist die Wölbung der Dächer an die Form von Pagodendächern angelehnt.

Interessanterweise wurde die Halle 1950 von einem Kleriker abgebrannt, der angeblich die Schönheit des Gebäudes nicht ertragen konnte. 三島由紀夫 Mishima Yukio, japanischer Schriftsteller2 und in späteren Jahren nationalistischer Aktivist3, hat darüber den Roman Kinkaku-ji geschrieben. Das Gebäude wurde daraufhin rekonstruiert und steht nun seit 1955 in der jetzigen Form hier.

Wir haben Glück mit dem Wetter; es ist zwar nicht besonders schön, aber immerhin ist der Himmel auch nicht vollständig mit grauen Wolken bedeckt und teilweise sieht man sogar das Blau hervorlugen.

Bild 2. Ein Automat für Cupnudeln.

Bild 2. Ein Automat für Cupnudeln.

Im Pausenbereich des Ein/Ausgangs – natürlich müssen wir uns nach der anstrengenden Busfahrt zunächst hinsetzen – gibt es auch schon Automaten, an denen man sich Cupnudeln kaufen und aufwärmen lassen kann (s. Bild 2). Willkommen in Japan.

Wir betreten den Innenbereich und touristenfreundlich präsentiert sich schon nach ein paar Metern die Hauptattraktion als erstes: der Kinkaku-ji (s. Bilder 3 bis 6). Am knapp 6000m2 großen See 鏡湖池 Kyōkochi gelegen steht er sehr schlicht in der Landschaft.

Bild 3. Der Kinkaku-ji im Kontext.

Bild 3. Der Kinkaku-ji im Kontext.

Bild 4. Und aus anderer Perspektive.

Bild 4. Und aus anderer Perspektive.

Bild 5. Der Pavillon im Detail.

Bild 5. Der Pavillon im Detail.

Bild 6. Und weil er so schön ist, erneut.

Bild 6. Und weil er so schön ist, erneut.

Bild 7. Andere Touristen, die den Pavillon sehen wollen.

Bild 7. Andere Touristen, die den Pavillon sehen wollen.

Das Touristengewusel (s. Bild 7) ist, wie sollte es anders sein, fast schon enervierend. Dennoch haben wir ausreichend Gelegenheit, das Gebäude aus unterschiedlichen Perspektiven zu sehen. So gehen wir auch an der Seite des Sees entlang.

Bild 9. Dachfratzendetail.

Bild 9. Dachfratzendetail.

An dieser Stelle biegen wir (bzw. vielmehr biege ich ab und die Anderen folgen) rechts auf einen häufig übersehenen kleinen Weg ein, der uns vor das 方丈 Hōjō (s. Bild 8), der ehemaligen Unterkunft des Tempelleiters, führt. Ich mag an diesem Ort besonders den schwungvoll hergerichteten 陸舟の松 Rikushū no matsu („Kiefer des Bootes auf dem Land“) vor dem Gebäude und die kleinen Details, vor allem die dämonischen Fratzen (s. Bilder 9 und 10), an der Spitze des benachbarten Gebäudes.

Bild 8. Des Schiffes Baum...

Bild 8. Des Schiffes Baum…

Bild 10. Ein dämonisches Gesicht auf dem Dach.

Bild 10. Ein dämonisches Gesicht auf dem Dach.

Ein etwas älterer Herr betritt in Begleitung einer etwas jüngeren Dame ebenfalls den Weg. Sie stellen damit, neben uns und drei chinesischen Touristen, die einzigen Menschen in dem Rückzugsort dieses eigentlich touristisch sehr aktiven Ortes dar. Einerseits freue ich mich ob der Ruhe, andererseits finde ich es auch schade, dass so viele hier vorbeigehen, ohne diesen Weg und das Gebäude überhaupt zu bemerken.

Bild 11. Wir sind ihm ganz nahe...

Bild 11. Wir sind ihm ganz nahe…

Bild 12. Tatsächlich Gold.

Bild 12. Tatsächlich Gold.

Wir gehen nun erneut am See entlang, bis wir nun dem Kinkaku-ji sehr nahe kommen (s. Bild 11). Dabei haben wir das ganze Gold schon direkt vor unserer Nase (s. Bild 12). Es geht nun um die Rückseite des Gebäudes, in das man leider nicht blicken kann, einen kleinen geschlängelten Weg herauf.

Dabei kommen wir an Wasserfällchen, Libellen (s. Bild 13) und an einer Stelle vorbei, an der sehr viele Münzen herumliegen. Das ist der Tatsache zu verschulden, dass hier viele Leute ihr Glück darin versuchen, Münzen in einen hinter dem Zaun befindlichen Topf zu werfen. Wie ersichtlich ist (s. Bild 14), waren die meisten erfolglos. Immerhin ist das eine schöne kleine Spende für die Tempelanlage.

Bild 13. Eine Libelle im Garten.

Bild 13. Eine Libelle im Garten.

Bild 14. Wie viel Geld das wohl ist?

Bild 14. Wie viel Geld das wohl ist?

Wir erreichen ein Plateau und überblicken nun auf Dachhöhe des Kinkaku-ji den See. Insbesondere von hier aus sieht man, wie schön dezent sich das Gebäude in die malerische Landschaft (die Blätter wirken an manchen Stellen ebenfalls gülden) einbettet (s. Bild 15). Da hat der Architekt seine Absicht grandios erreicht.


Bild 15. Der Kinkaku-ji eingebettet in sein natürliches Umfeld.

Bild 15. Der Kinkaku-ji eingebettet in sein natürliches Umfeld.

Es geht den kleinen Abhang herunter, als wir ein traditionelles hölzernes Teehaus entdecken. Da uns eh nach einer Pause zumute ist, wenden wir unsere Augen auf die Gäste unter den Sonnenschirmen, die eine Tasse Tee genießen. Auch wir wollen dies erleben.

Es kostet ca. 400¥, um sich eine Tasse grünen Tee traditionell zubereiten zu lassen. Bei der im 15. J.h. in der sog. 東山文化 Higashiyama-Kultur4 (s. unten) der Muromachi-Zeit entstandenen Kunstform der Teezeremonie, 茶の湯 Chanoyu oder 茶道 Sadō, wird der pulverisierte grüne Tee, 抹茶 Matcha, entweder dick (濃茶 koicha) oder dünn (薄茶 usucha) serviert. Wir bekommen ihn dick serviert, ein Anblick und Geschmack, der sich von dem normalen grünen Tees doch stark unterscheidet.

Natürlich bekommen wir – bzw. vielmehr nur ich, da ich zunächst als einziger Tee bestelle und damit den Anderen als Eintrittskarte in den Gartenbereich des Teehauses diene – ebenfalls die obligatorischen お菓子 okashi („Süßigkeiten“ mit Honorarpräfix) zum Geschmacksausgleich dazu. Schlussendlich bestellen die Anderen aber auch etwas.

Nachdem uns diese kleine Pause vergönnt ist, begeben wir uns an brennenden Räucherstäbchen vorbei erneut auf die Straße. Unser nächstes Ziel steuern wir aufgrund der raren Busse nämlich zu Fuß an.

Uns steht ein zwei Kilometer langer Marsch inmitten durch eine vorörtliche – nicht mit alten Holzbauten durchsetzte – Gegend bevor, den wir nach geschätzt einer halben Stunde hinter uns gebracht haben. Wir haben unser Ziel erreicht, den


龍安寺 Ryōan-ji

Mittlerweile ebenfalls ein Weltkulturerbe, wurde der 龍安寺 Ryōan-ji im Jahre 1450 von 細川勝元 Hosokawa Katsumoto erbaut, einem der Statthalter des Shōgun 足利義政 Ashikaga Yoshimasa. Auf diesen geht die sog. 東山文化 Higashiyama bunka („Higashiyama-Kultur“) zurück, der kulturellen Blütezeit der japanischen Geschichte, in der solch traditionelle japanische Künste wie 能 Nō (Maskentheater), 生け花 Ikebana bzw. 華道 Kadō (Blumenarrangieren)5, 茶道 Sadō (Teezeremonie) oder 連歌 Renga (das Erstellen von Kettengedichten in einer Gruppe) entstanden.

Zur Teezeremonie sei ergänzend erwähnt (s. oben), dass oft auch ein buddhistischer Abt namens 村田珠光 Murata Jukō als Begründer des Sadō gilt. Er soll, nachdem Ashikaga Yoshimasa seine Ämter niedergelegt und sich in seinen neu errichteten Altersruhesitz, den 銀閣寺 Ginkaku-ji („Silberner Pavillon“)6, zurückgezogen hat, um sich der Künste zu widmen, zusammen mit Ashikaga das Teezeremoniell verfeinert haben.

Mit der Niederlegung der Ämter geht ein wichtiges Ereignis der japanischen Geschichte einher, denn es trat die klassische Frage nach der Herrschaftsfolge auf. Yoshimasas Bruder Yoshimi sollte eigentlich Shōgun werden, als Yoshimasa plötzlich 1464 einen Sohn bekam. An dieser Stelle kommt erneut Hosokawa Katsumoto ins Spiel. Er setzte sich dafür ein, dass Yoshimasas Bruder Anspruch auf den Posten erhalte, Hosokawas Schwiegervater jedoch – der seit jeher mit Hosokawa im Konflikt stand – sah in der Geburt eines Sohnes die Gelegenheit, um sich gegen Hosokawa zu stellen und unterstützte fortan Yoshimasas Sohn.

Aus diesem Konflikt ist der zehn Jahre andauernde, auf nationaler Ebene ausgeführte 応仁の乱 Ōnin no Ran (Ōnin-Krieg, 1467-1477) entstanden. Zudem leitete dieser Krieg die knapp 130 Jahre währende 戦国時代 Sengoku jidai („Zeit der streitenden Reiche“) ein, de wie hier kurz erwähnt, von 徳川家康 Tokugawa Ieyasu im Jahre 1600 beendet werden konnte.

Aushängeschild des Tempels ist der Steingarten (s. Bild 16). Nach der ebenfalls in der späten Muromachi-Periode entstandenen 枯山水 Karesansui („trockene Landschaft“) genannten Art japanischer Gärten erbaut, gilt er als Paradebeispiel der buddhistischen Architektur, deren jeder Aspekt, auch die Mauern, bedeutungstragend sind.

Bild 16. Der berühmte Steingarten im Ryōan-ji.

Bild 16. Der berühmte Steingarten im Ryōan-ji.

Er ist so konstruiert, dass man von keiner Seite aus alle (großen) Steine gleichzeitig sehen kann. Diese ausgeklügelte Konstruktion in solch Perfektion diente auch als Forschungsobjekt für eine psychologische Untersuchung, die in der Nature [1] (ergänzend, s. [2]) veröffentlicht wurde.7

Wir begutachten den Garten eine Weile und begeben uns dann um die Halle, wo wir inmitten einer eng bewachsenen Grünanlage den 知足の蹲踞 chisoku no tsukubai (s. hier) finden. Das Wetter hält sich bedeckt, aber an dem sehr schönen 鏡容池 Kyōyōchi, einem Wasserlilienteich (s. Bild 17), vorbei kommend – der bereits ein paar herbstlich rot gefärbte Stellen trägt (s. Bild 18) – schließen wir die Runde um die Halle wortlos ab, bevor wir uns ob der meditativen Ruhe wieder aufmachen müssen.

Bild 17. Der Teich und seine Lilien.

Bild 17. Der Teich und seine Lilien.

Bild 18. Vereinzelt macht sich das Rot bemerkbar...

Bild 18. Vereinzelt macht sich das Rot bemerkbar…

Insgesamt halten wir uns daher nicht so lange auf (die Zeit drängt ein wenig) und wir fahren letztlich mit Bus wieder zum Hostel zurück. Jedoch kommen wir eine halbe Stunde später als verabredet an, weswegen unser Kanadier nicht mehr da ist. Es wird noch versucht Kontakt aufzunehmen, was sich aber als schwierig herausstellt, wenn das Gegenüber unterwegs keinen Internetempfang hat.

Kurz auf die Zimmer und Sachen umgepackt, geht es auch schon wieder auf die 四条通 Shijō-Straße und wir fahren von dort alleine zum Hbf Kyōto. Wir besorgen uns noch für unterwegs etwas zu essen – 10 Sushi zum mitnehmen für 6€? Kein Ding. Und es schmeckt auch noch! – und setzen uns dann in den Expresszug, der uns historisch nun noch weiter zurückfährt. Die Endstation des Zuges lautet nämlich


奈良 Nara

Nara, früher 平城京 Heijōkyō genannt, wurde unter Kaiserin8 元明 Gemmei im Jahre 710 die Hauptstadt Japans. Zwar verlegte 784 Kaiser 桓武 Kammu kurzzeitig bis zum Beginn der 平安時代 Heian-Periode (wir erinnern uns) den Kaisersitz nach 長岡京 Nagaokakyō, dennoch bezeichnet man die Zeit bis 794 noch als 奈良時代 Nara-Periode.

„Ihr prägendstes Merkmal ist die Ausübung der Regierung durch eine zivile Elite auf der Basis einer gesetzlich geregelten bürokratischen Verwaltung […]“, [3] heißt es in einem Geschichtsbuch über Japan.

Da dies allerdings zu Teilen auch ein Literaturblog ist, möchte ich die literarischen Errungenschaften dieser Zeit kurz festhalten. Im Jahre 712 wurde das sog. 古事記 Kojiki („Aufzeichnungen alter Dinge“) fertiggestellt, das erste schriftliche Zeugnis der japanischen Sprache. Daneben ist es zudem die erste umfangreiche Quelle, die eine Geschichtsschreibung Japans darstellt.9

Des Weiteren wurde in der zweiten Hälfte des 8. Jh. – eine andere Quelle [4] datiert es auf ungefähr 760 – das 万葉集 Manyōshū („Sammlung der zehntausend Blätter“, de facto sind es etwas weniger als fünftausend), die erste große japanische Gedichtanthologie mit bis ins 4. Jahrhundert zurückreichenden Gedichten, zusammengestellt.

Bild 19. Huch? Wo sind wir denn gelandet?

Bild 19. Huch? Wo sind wir denn gelandet?

Bild 20. Die Shika werden hier verehrt.

Bild 20. Die Shika werden hier verehrt.

Ich erinnere mich recht gut an alles, vor allem an die Wege, und so begeben wir uns direkt zu dem 奈良公園 Nara kōen (Nara-Park). Dieser ist dafür berühmt, dass hier in freier Wildbahn Rehe10 herumlaufen (s. Bild 19), die zudem als Boten der Gottheiten des Shintoismus verehrt werden (s. Bild 20).11

Dennoch sollte man sich vor den Tieren in Acht nehmen, wie es auf manch schönen Schildern bebildert ist (s. Bild 21). Verrückt. Nein, diese Rehe.

Aphorismus des Tages:

Mit einem Reh verhält es sich wie mit Klaus Kinski: wenn man weiß, wie man mit ihm umgehen muss, steht einem gepflogenem Umgang nichts im Wege.12

Bild 21. Da passt die Oma lieber mal auf!

Bild 21. Da passt die Oma lieber mal auf!

Wir kommen an vielen Rehen vorbei, manche kämpfend (s. Bild 22), manche in Gruppen (s. Bild 23), manche den Straßenverkehr behindernd. Ab und zu schießen wir Selfies mit Rehen oder kommen an Ständen vorbei, die extra せんべい Senbei (Reisgebäck) für die Rehe verkaufen. Die Rehe haben die japanische Höflichkeit so sehr übernommen, dass sie zunächst warten, bis der Mensch das Gebäck gekauft hat und sich erst dann bescheiden nähern, wenn das Objekt der Fressbegierde in greifbarer Nähe ist.

Bild 22. Wer wird gewinnen?

Bild 22. Wer wird gewinnen?

Bild 23. Hier gehört den Rehen/Hirschen die Stadt.

Bild 23. Hier gehört den Rehen/Hirschen die Stadt.

Bild 24. Das große Eingangstor.

Bild 24. Das große Eingangstor.

Bild 25. Hier im Detail.

Bild 25. Hier im Detail.

Bild 26. Die Wächterstatue auf der Westseite.

Bild 26. Die Wächterstatue auf der Westseite.

Bild 27. Die Wächterstatue auf der Ostseite.

Bild 27. Die Wächterstatue auf der Ostseite.

Wir erreichen, nach wie vor an entzückten und zugleich verschreckten, die Rehe begutachtenden Touristen vorbei, das große 南大門 Nandaimon („Großes Tor im Süden“) (s. Bilder 24 und 25), das auf jeder Seite jeweils eine große Wächterstatue beherbergt (s. Bilder 26 und 27). Sowohl die Statuen als auch das 25 Meter hohe Tor gelten in Japan als Nationalschätze. Zugleich markieren sie den Zugang zu unserem nächsten Ziel, dem


東大寺 Tōdai-ji

Wir passieren das Tor und gelangen schließlich an das „Innere Tor“, 中門 Nakamon (s. Bild 28) auf Japanisch, des 東大寺 Tōdai-ji, in dessen links benachbarten Häuschen wir auch schon den Eintrittspreis zahlen dürfen.

Bild 28. Das innere Tor.

Bild 28. Das innere Tor.

Nachdem das geschehen ist, begeben wir uns auf den schummerig dunklen und überdachten Außenbereich zu, als sich, mir nichts, dir nichts, uns auf der linken Seite, durch grüne Sträucher hindurch, der Anblick des Hauptgebäudes des Tōdai-ji in Erstaunen versetzt (s. Bilder 29 bis 32).

Der Tōdai-ji wurde 728 unter dem Namen 金鐘山寺 Kinshōsen-ji von Kaiser 聖武 Shōmu errichtet. Nachdem sich der Kaiser bis 745 diversen chaotischen Zuständen gegenübergestellt sah (Putschversuch, Pockenausbruch, schlechte Ernte), ließ er eine Gesandtschaft durch Provinzen reisen, um Spenden zur Errichtung einer Buddhastatue und einer sie beherbergenden Halle zu sammeln, damit Buddha das Land vor weiteren Katastrophen bewahre.

Mit kurzen Unterbrechungen aufgrund von Erdbeben wurden beide Bauwerke schließlich 752 fertiggestellt. Nach Archivangaben des Tōdai-ji sollen bis zu 2,6 Mio. Leute am Bau der riesigen Buddhahalle beteiligt gewesen sein.

Diese 大仏殿 Daibutsuden misst heute stattliche 57 Meter in der Breite, 50 Meter in der Tiefe und 47 Meter in der Höhe, ist aber damit als zweite Wiedererrichtung aus dem Jahre 1692 30 Prozent kleiner als das Originalgebäude. Zudem gehörten damals noch zwei jeweils 100 Meter hohe Pagoden zu dem Komplex. Auch ohne sie stellt die Daibutsuden nach wie vor das größte historische Holzbauwerk der Welt13 dar und ist – ich muss es schon nicht mehr sagen – Weltkulturerbe.

Die Statue des 大仏 Daibutsu („Großer Buddha“, im indischen Buddhismus Vairocana) ist mit 15 Metern Höhe und einem Gewicht von 500 Tonnen zudem die größte bronzene Buddhastatue der Welt.

Der Tōdai-ji war zu historischen Zeiten bisweilen der Haupttempel von sechs buddhistischen Schulen; heute ist er jedoch nur der Haupttempel der Kegon-Schule, die 736 gegründet wurde.

Bild 29. Der Tōdai-ji.

Bild 29. Der Tōdai-ji.

Bild 30. Hier etwas näher.

Bild 30. Hier etwas näher.

Bild 31. Er wird immer größer.

Bild 31. Er wird immer größer.

Bild 32. ...

Bild 32. …

Wir gehen den überdachten Weg weiter entlang. Zu unserer linken steht es nun: das größte Holzbauwerk der Welt. Schon von hier wirkt es unglaublich groß, pompös, alteingesessen. Es sind wenig Leute unterwegs, wir können daher ein wenig hüpfen.

Bild 35. Ein Sōrintō.

Bild 35. Ein Sōrintō.

Wir nähern uns, Schritt für Schritt wird der Anblick ehrfurchtgebietender, bis wir schließlich am Eingang stehen, den Kopf nach oben geneigt, dass einem der Nacken ausgerenkt wird (s. Bilder 33 und 34). An der Seite rankt noch irgendwoher ein goldener 相輪橖 Sōrintō in die Höhe (s. Bild 35).

Bild 33. Der unfassbar pompöse Eingang.

Bild 33. Der unfassbar pompöse Eingang.

Bild 34. Der Eingang im Detail.

Bild 34. Der Eingang im Detail.

Bild 36. Unser Blick zurück.

Bild 36. Unser Blick zurück.

Bild 37. Eine heilende Statue.

Bild 37. Eine heilende Statue.

Kurz blicken wir zurück (s. Bild 36) und versuchen, bevor es in den Tempel geht, unsere Schmerzen zu lindern. Dies soll an einer Statue (s. Bild 37) möglich sein, an der man die betreffenden Stellen der eigenen Schmerzen anfassen soll, damit man von den Leiden befreit wird.

Nachdem das erledigt ist, können wir endlich über die Türschwelle klettern. Man findet die Türschwellen immer erhöht vor, was daran liegt, damit man nicht auf sie tritt, weil das die Tempelgeister erzürnen würde. Zudem wird damit, neben der architektonischen Besonderheit bei manchen Schreinen und Häusern – deren Eingänge so gebaut sind, dass man den Kopf beim Eintreten leicht senken muss –, mehr Respekt dem Tempel gegenüber ausgedrückt und auch die Aufmerksamkeit auf ein bewusstes Eintreten gelenkt.

Bild 40. Ein Nachbar des Daibutsu.

Bild 40. Ein Nachbar des Daibutsu.

Allzulange können wir uns den Eintritt hier aber nicht bewusst machen, da uns nun schon die unfassbar große und 15 Meter hohe Statue des Großen Buddha förmlich aus der Tür fällt (s. Bilder 38 und 39). Wir studieren ihn eingehend und vor allem der reich verzierte „Sitz“, auf dem er thront – natürlich sind alle Details vergoldet –, weiß zu gefallen. Ebenfalls gülden (heute ist irgendwie Tag des Goldes oder so…) erstrahlt die benachbarte Statue des Boddhisattva (s. Bild 40).

Bild 38. Der große Buddha...

Bild 38. Der große Buddha…

Bild 39. ...mit Blumen.

Bild 39. …mit Blumen.

Bild 41. Die Rückseite des Daibutsu.

Bild 41. Die Rückseite des Daibutsu.

Bild 42. Der Daibutsu mit seinem anderen Nachbarn.

Bild 42. Der Daibutsu mit seinem anderen Nachbarn.

Aber auch die Rückseite des Buddhas hat was. Man kann hier nicht nur die Details näher betrachten (s. Bild 41) sondern die Lichtverhältnisse bringen den Buddha und seine Nachbarn atmosphärisch zur Geltung (s. Bild 42).

In einem andachtswürdigen Tempo drehen wir weiter unsere Runde durch diese Halle. Besonders beeindruckend ist neben dem nachgestellten Modell der Tempelanlage bis zur Wiedererrichtung im Jahre 1692 die riesige Hand des Buddhas (s. Bild 43). Leider beachte ich nicht die Infotafel, die erklären könnte, woher diese Hand stammt und zu welchem Zwecke sie nun hier auf dem Grund liegt.

Bild 43. Die Hand des Buddha.

Bild 43. Die Hand des Buddha.

Bild 44. Ein historischer Abriss.

Bild 44. Ein historischer Abriss.

Hingegen beachte ich die Geschichtstafel des Tempels (s. Bild 44), aus der aber nicht mehr hervorgeht als oben im Kasten erläutert. Es amüsiert – und beängstigt, wenn ich überlege, dass er in den paar historischen Schinken, in denen er mitspielte, auch noch genau so gekleidet war – mich aber der Mann unten rechts auf der Tafel, dessen Ähnlichkeit mit 北野武 Kitano Takeshi verblüffend ist.

Bild 45. Mal auf Tuchfühlung gehen. (Ba dum tss)

Bild 45. Mal auf Tuchfühlung gehen. (Ba dum tss)

Da sich hier die Aufräumarbeiten bemerkbar machen, begeben wir uns wieder nach draußen. Auf dem Weg Richtung Nakamon, das mittlerweile geschlossen ist, erblicke ich ein Tuch auf einem Schild (s. Bild 45). Warum auch immer, scheint das ein subtiler, wenn auch starker Kontrast zwischen der Fragilität des Stoffes und der Rohheit des Holzes im Hintergrund und zwischen der Neuheit der Mode und der Tradition der Religion zu sein (s. Bilder 46 und 47).

Bild 46. Hierauf achten?

Bild 46. Hierauf achten?

Bild 47. Oder doch hierauf?

Bild 47. Oder doch hierauf?

Einen letzten Blick des Tōdai-ji erhaschen wir nun von der rechten Seite des überdachten Ganges (s. Bild 48). Wieder außerhalb des Geländes angelangt, setzen wir uns zu einer großen Gruppe an Fotografen, die gespannt auf etwas zu warten scheint. Naja, eine willkommene Ruhepause für uns. Dennoch stellt sich die Frage, ob der Kaiser seinen Besuch angekündigt hat oder nicht. Nein, sie wollen lediglich den Sonnenuntergang fotografieren. Das kann man ihnen auch nicht verübeln.

Bild 48. Zum Abschluss noch von anderer Seite.

Bild 48. Zum Abschluss noch von anderer Seite.

Wir hingegen begeben uns nun lieber in den Wald hinein, da es hier im näheren Umfeld auch weitere schöne Dinge gibt. Allerdings, so wie in 国木田独歩 Kunikida Doppos Werk häufig die Natur die eigentliche Hauptrolle übernimmt, ist es auch hier das wäldliche Ambiente, das uns sehr fesselt. Außer uns sind zudem höchstens vereinzelt Personen unterwegs; das macht die Idylle der Isolation umso persönlicher.

Bild 49. Ein Torii im Wald.

Bild 49. Ein Torii im Wald.

Bild 50. Ein Baum im Wald.

Bild 50. Ein Baum im Wald.

Zurückblickend entfernt sich der 鳥居 Torii am Waldeseingang hinter uns (s. Bild 49). Ein kleiner Altar am Wegesrand (s. Bild 50) kündigt ebenfalls die bevorstehenden Bauten an. Wir gelangen an einen Gebäudekomplex (s. Bilder 51 und 52), von dem ich nicht weiß, was er darstellt. Ein paar Autos stehen abseits, aber die Tore sind verschlossen und es ist niemand in Sicht.


Bild 51. Irgendein schönes Gebäude im Wald.

Bild 51. Irgendein schönes Gebäude im Wald.

Bild 52. Hatten wir das nicht schon mit dem antiken Dorfgefühl?

Bild 52. Hatten wir das nicht schon mit dem antiken Dorfgefühl?

Bild 53. Also das Dach sieht gut aus!

Bild 53. Also das Dach sieht gut aus!

An einer schäbigen Hütte (s. Bild 53) vorbei geht es nun nach rechts, weiter durch dichten Wald hindurch. […]

Wir erreichen den 春日大社 Kasuga taisha, der allerdings leider schon geschlossen hat. Es ist dennoch schön, zumal ich mich daran erinnere, hier vor vier Jahren eine Hochzeit gesehen zu haben.14

Bild 54. (K)ein Pfeiler.

Bild 54. (K)ein Pfeiler.

An einem leicht falsch positionierten Pfeiler (s. Bild 54) gelangen wir an eine Straße, die zu unserer linken eine grüne Hügellandschaft mit vielen, seelenruhig herumstreunenden Rehen bietet und zu unserer rechten eine urige Geschäftsreihe. Die Läden haben natürlich schon geschlossen, aber dafür erinnere ich mich der beiden Katzen, die hier vor langer Zeit mal ihren Lebtag verbrachten (s. Bild 55).

Bild 55. Zwei Katzen, die es gemütlich haben.

Bild 55. Zwei Katzen, die es gemütlich haben.

An einem banal „Slow-Cafe“ benannten Laden (s. Bild 56), dessen Betriebslosigkeit irgendwie mittlerweile für die gesamte Gegend zu sprechen scheint, vorbei gehen wir die Treppen herunter, an deren Ende wir die Straße überqueren. Mit unseren Füßen auf den nächsten Treppen, die weiter in den Wald hinein führen, werden wir hinter uns von einem Touristen auf Englisch angesprochen.

Bild 56. Schnell weg hier...

Bild 56. Schnell weg hier…

Es stellt sich heraus, dass es unser kanadischer Freund aus Kyōto ist. Er begrüßt uns in sehr „japanischer“ Aufmachung, d.h. hauptsächlich mit einem asiatischen Strohhut. Seine 下駄 Geta (Holzsandalen) sind aber hinten am Rucksack befestigt…

Wir entschuldigen uns für das mittägliche Versäumnis und plaudern dann ein wenig über den Verbleib des Tages. Im Grunde genommen hat er auch alles gesehen, was wir gesehen haben bzw. hat er es auch teilweise noch vor. Er fragt uns zufälligerweise nach der Hügellandschaft von eben, da dort sein Hostel ist.

Erleichtert, dass er es nicht mehr weit hat, verabschieden wir uns, da wir nun alle unserer Wege gehen müssen.

Wir kommen direkt an urjapanischen Häusern vorbei (s. Bild 57) – erneut im Wald wohlgemerkt – und außer ein paar ebenso verloren wirkenden Menschenseelen lassen wir die uns langsam umringende Dunkelheit unser Bewusstsein ummanteln.

Bild 57. Hier würde ich gerne wohnen.

Bild 57. Hier würde ich gerne wohnen.

Diese Dunkelheit, die sich nun auch durch den Wald zieht, hindert uns nicht daran, den schmalen Weg beizubehalten. Wir kommen an einer kleinen Bootsanlegestelle an einem Flüsslein vorbei; ein paar Häuser – ob bewohnt oder nicht wird nicht ersichtlich – zieren neben den Rehen, deren passive Aggression bei dieser Lichtlage umso stärker zu sein scheint, den noch grünen Wald.

Wir gelangen rechts auf eine große, grüne Fläche. Wir sind nun am anderen Ende des Nara-Parks, auf dessen in weiter Ferne gelegener Seite wir heute Mittag angekommen sind.

Es streifen hier noch mehr Rehe umher. Bei all der Idylle ist ihnen das aber nicht übelzunehmen, zumal sie eh in Gruppen schläfrig in die Gegend starren. Gleichwohl setzen sich die Anderen auf große Steine, während ich die Oase des Teichs erkunde. Zwei kleine Inseln, die über kleine Steinbrücken miteinander verbunden sind, weilen in der Mitte dieses Teiches. Auch hier sind Sitzsteine vorzufinden und ich finde es angemessen, Rodins Le Penseur nachzustellen.

Plötzlich sehe ich ein Reh auf der anderen Seite des Wasser; es bleibt gespannt stehen, als es mich erblickt. Ich bewege nur kurz meinen Arm, da läuft es den Berghang hinauf und in den Wald.

Ich stehe auf, da bemerke ich einen Ast an einer der Steinbrücken. Es ist ein sehr faszinierender Ast, der mich allein deswegen in seinen Bann zieht, da er vom Baum aus nach unten wächst, seine Blätter jedoch nach oben (s. Bild 58). Ein fast schon melancholischer Beweis für die anziehende Kraft der Sonne.

Bild 58. Die Details der Natur. Nein, es ist keine Spiegelung.

Bild 58. Die Details der Natur. Nein, es ist keine Spiegelung.

Bild 59. Nun ernsthaft: schnell weg hier!

Bild 59. Nun ernsthaft: schnell weg hier!

Aber die Vergänglichkeit des Seins lässt auch dieses Fleckchen Erde nicht unberührt und so erinnert uns der fast vollständige Sonnenuntergang daran, unseren Heimweg anzutreten. Quer durch den Park in Richtung Bahnhof kommen wir an einem Scooter vorbei, auf dessen Sitz eine Hose liegt. Eine Hose (s. Bild 59).

Bild 60. Das abendliche Nara.

Bild 60. Das abendliche Nara.

Wir kommen auf der Parallelstraße der Hauptstraße an und bewegen uns nun auf die „Rückseite“ (in wessen Ermessen so etwas auch liegen mag) des Bahnhofs zu. An teuer aussehenden Restaurants in japanischen Prachtvillen vorbei gelangen wir auf ein schnuckeliges Sträßchen (s. Bild 60), das zu ihrer rechten eine 商店街 Shōtengai trägt (s. Bild 61).

Bild 61. Arkaden in Nara.

Bild 61. Arkaden in Nara.

Ein kleines Lokal, dessen – na, welches Wort wird’s wohl sein? – urige Atmosphäre mehr als einladend ist, zieht unsere Augen und Nasen auf sich. Wir beschließen, hier unser Abendessen zu uns zu nehmen. そば Soba mit 天ぷら Tempura15 und alle sind glücklich.

Bild 62. Jetzt noch einen Nachtisch...

Bild 62. Jetzt noch einen Nachtisch…

Nach dem Essen haben wir nicht mehr viel zu tun, außer durch die mittlerweile zu großen Teilen geschlossenen Arkaden zu gehen. Kurios kredenzte Dessertsüßspeisen (s. Bild 62) säumen noch kurzzeitig unseren Weg, bevor wir uns in den Bahnhof begeben und zurück nach Kyōto fahren.




Kyōto – abends halb zehn in Japan

Angekommen begrüßt uns eine große Menschenmenge im Hauptbahnhof – nein, natürlich nicht persönlich, sie ist vielmehr einfach nur da. Durch die riesige Halle hindurch machen wir einen kleinen Abstecher auf eine „Bahnhofsterrasse“ (eigentlich nur die Plattform einer Treppe, die zufällig draußen ist) und erblicken, hell strahlend, den 京都タワー Kyōto Tower (s. Bild 63).

Bild 63. Der Kyōto Tower.

Bild 63. Der Kyōto Tower.

Unten am Busbahnhof bemerken wir eine Wassershow (s. Bilder 64 und 65). Ich möchte die Wassermetaphorik zwar nicht zu breit ausschlagen, aber da wir, was Wassershows angeht, ja bereits mit allen Wassern gewaschen sind, entlockt uns diese nur ein müdes, aber dennoch genuin fröhliches Lächeln. Denn auch wenn sie im Vergleich zu der Wassershow in Dubai winzig ist, so gefällt mir die Musik in Kyōto weitaus besser.

Bild 64. Wasserspiele in Kyōto.

Bild 64. Wasserspiele in Kyōto.

Bild 65. Nun mit mehr Wasser.

Bild 65. Nun mit mehr Wasser.

Wie auch immer, nachdem ich mich gefragt habe, ob das für die Leute, die unter diesem Glasdach stehen, nicht unheimlich laut sein muss, fahren wir wieder Richtung Hostel zurück.

Es geht noch mit den Anderen in den Gemeinschaftsraum, wo wir ein paar bekannte Gesichter treffen, bevor es die Anderen aber bald schon zu Bette verschlägt. Ich führe derweil noch Gespräche über den Sarinanschlag 1995, Budō, das japanische Fernsehen, Shaolintempel in China und Zenklöster in Japan.

Der Uhrzeit (01:XX Uhr) verschuldet macht das Hirn jedoch beim Denken und Reden nicht mehr ganz mit, weswegen ich mich entschließe, auch die Nachtruhe aufzusuchen. Gute Nacht.


Mumon

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Fußnoten

1 Der Einfachheit halber wird aber im Folgenden mit dem Namen Kinkaku-ji nur der „goldene Pavillon“ denotiert.

2 Und wie ich vor ein paar Tagen im Fernsehen erfahren habe, ist er in den 1960er bei der Literaturnobelpreisverleihung bis in die finale Auswahl gekommen, musste sich aber seinem Landsmann 川端康成 Kawabata Yasunari geschlagen geben.

3 Bezeichnend sind seine Todesumstände; ich sage nur coup d’etat und 切腹 Seppuku, auch unter der Bezeichnung Harakiri bekannt.

4 Jup, der gleiche 東山 Higashiyama von gestern.

5 Ich habe vor ein paar Tage eine richtig interessante Fernsehsendung – eigentlich zwar eine Unterhaltungssendung – gesehen, in der ich viel über Ikebana gelernt habe. Folgendes ist u.a. wichtig: das Verhältnis von Vase zu Arrangement; die Höhe der Blumen; die Farbauswahl; das Einbringen von Formen (z.B. große Blüten als ungleiches Dreieck); Gegenbewegungen an den Rändern haben; die Vorderseite der Blüten (コスモス) zeigen; die Blumen nicht verstecken.

6 Ebenfalls ein Weltkulturerbe; allerdings schaffen wir es nicht, dort vorbeizuschauen.

7 Die Konstruktion befriedigt die unterbewussten ästhetischen Empfindungskriterien des Menschen. Zudem stellt auch die Konzeption an sich eine hohe Kunst dar, da auch die Negativfläche, also nicht nur die großen Steine, sondern auch der Kiesboden, ein bedeutungstragendes Muster bildet.

8 Ja, richtig gelesen.

9 720 wurde auch das 日本書記 Nihonshoki („Chronik Japans“) als erstes von sechs Annalenwerken veröffentlicht, jedoch – wenn ich das richtig verstanden habe – nur in klassischem Chinesisch.

10 Streng genommen handelt es sich bei diesen 鹿 Shika um Japanische Sikahirsche. Aufgrund der Ähnlichkeit zu Rehen und dem damit verbundenen leichteren Erzählfluss, verbleibe ich im Haupttext bei der Bezeichnung „Reh“ und Deklinationen.

11 Weiterhin sind sie wohl in allen Teilen der Welt außer Japan vom Aussterben bedroht.

12 Ach, Klaus…

13 Übertrumpft wurde es in den vergangenen 15 Jahren von einer Holzpagode in China und einem Stadion in Japan; aber die sind ja nun nicht historisch.

14 Eine von vielen in Japan; ich weiß nicht warum, aber in Japan wurde ich schon Zeuge von mindestens fünf Hochzeiten, in Deutschland bislang von keiner.

15 Klassischerweise frittierte Garnelen. Ebenfalls ein portugiesisches Importprodukt. Man kann aber fast alles frittieren und es geht als 天ぷら durch.


Quellen

[1] Van Tonder, Gert J., Lyons, Michael J. and Ejima, Yoshimichi (2002). Perception psychology: Visual structure of a Japanese Zen garden. In Nature, 419, 359–360.

[2] Van Tonder, Gert J. and Lyons, Michael J. (2005). Visual Perception in Japanese Rock Garden Design. In Axiomathes, 15, 353-371. (http://www.kasrl.org/axiomathes.pdf)

[3] Blümmel, Maria-Verena (2010). Die Dominanz des Kaiserhofs vom Ende des 7. bis zum 12. Jahrhundert. In Kleine Geschichte Japans (Hrsg: Josef Kreiner). Stuttgart: Reclam. 1. Auflage. S. 52-93.

[4] Totman, Conrad (2008). Japan Before Perry. A Short History. Berkeley: University of California Press. 2. Auflage.

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